Cox-Arthrose-Operation – Perspektive für Sportler mit Knorpelschaden im Hüftgelenk, Teil 2

Erfahrungsbericht eines Betroffenen am Beispiel einer Hüftkappenprothese 2.Teil
Die Vor- und Nachteile verschiedener TEP-Arten und OP-Methoden wird teilweise kontrovers diskutiert. Letztlich muss der Patient nach Recherche und Einholen von mehreren Meinungen selbst eine konkrete individuelle Entscheidung für sich treffen.
Für mich waren bestimmte Kriterien ausschlaggebend, die für die Prothese „BHR“ Mc Minn mit minimalinvasiver OP-Technik sprachen:

  • Empfehlungen durch voneinander unabhängige Personen aus dem persönlichen Bekanntenkreis
  • Erhalt des Gelenkkopfes und Schenkelhalses und dadurch günstige, dem natürlichen Gelenk ähnliche Hebelverhältnisse.
  • Bei erforderlicher Revision weitere Möglichkeit, im Notfall konventionelle TEP zu erhalten (einfacher als Revision einer TEP)
  • Geringere Gefahr der Luxation durch größeren Gelenkkopf (natürliche Größe)
  • Größere Beweglichkeit nach der OP
  • Weiter Aktivität (Sport) und Belastung nach der OP möglich
  • Schnelle Heilung, Rehabilitation und Belastbarkeit (keine Muskeln durchtrennt)
  • Sogenannte „forgotten hip“, d.h. im Alltag vergisst der Patient, daß er eine Prothese hat (Gefühl wie bei der natürlichen Hüfte)
  • Speziell BHP McMinn betreffend bereits hohe Fallzahlen und geringe Komplikationsrate (nicht mehr als bei konventionellen TEP)

Diese Vorteile haben für mich die Risiken, die auch in Veröffentlichungen  teilweise falsch bzw. übertrieben dargestellt werden, überwogen:

  • Höherer Metallabrieb
  • Keine bzw. wenig Langzeittests
  • Geringere Auswahl an bewährten Prothesenmodellen
  • Höhere Rate an Oberschenkelhalsbrüchen als bei konventionellen TEP
  • Eingeschränkte Anwendung durch erforderliche Voraussetzungen wie z.B. gute Knochensubstanz, großer natürlicher Gelenkkopf
  • Eingeschränkte Auswechselbarkeit bzw. Kompatibilität mit anderen Modellen, Methoden
  • Hüftpfanne muss geeignet sein bzw. die künstliche muss gut eingepasst sein
  • Erfahrene bzw. spezialisierte Operateure sind erforderlich
  • Besondere Anforderungen an die bewährten Materialien und bei neuen mehr Risiko

Konkreter Ablauf, Erfahrungsbericht
Irgendwann habe ich bei intensivem bzw. extremem Kampfsport das rechte Hüftgelenk „gespürt“. Das ist für einen Sportler etwas ganz normales und man geht darüber hinweg. Später habe ich gemerkt, daß ich mit Links nicht mehr so gut treten konnte, weil ich auf dem rechten Standbein nicht mehr so sicher war wie gewohnt.
Da ich überwiegend nur Trainer und Lehrgangsleiter war und Techniken überwiegend nur noch demonstrieren mußte, habe ich alles mit Rechts gemacht, so daß die Tätigkeit nicht eingeschränkt wurde.
Irgendwann kamen leicht, unterschwellige Schmerzen im Gelenk auf, die wieder vorbeigingen. Auch das ist für einen Leistungssportler mehr oder weniger normal. Dann gab es Phasen mit Schmerzen ohne Belastung, in Ruhe und die bekannten Anlaufschwierigkeiten.
Irgendwann nach ersten Arztbesuchen, Röntgenaufnahmen und reichlich Recherche war mir klar, daß das auf einen Gelenkersatz hinauslaufen würde und man den Prozess nur verlangsamen kann.
Soweit meine persönliche Vorgeschichte, die bei jedem etwas anders ist.
Die Empfehlung geht auch dahin, nicht zu früh das Gelenk zu ersetzen, da die Lebensdauer nur. ca. 15 Jahre beträgt. Bis dahin kann man konventionelle Maßnahmen treffen (Gymnastik, bestimmte Mittel und Vermeidung von Über- und Fehlbelastungen sowie weiter im Alltag möglichst normal bewegen).
Auf diese Weise vergehen noch einige Jahre mit Verschlimmerungen und Verbesserungen des Befindens (also vergleichbar mit Schüben, wobei insgesamt eine stetige Verschlechterung stattfindet). Viele Patienten nehmen auch regelmäßig Medikamente.
Schließlich ist der Leidensdruck dann so groß, daß eine OP angestrebt wird.
Nach Wahl einer Methode bzw. eines Krankenhauses / Operateurs (s.o. BHR McMinn) erfolgt ein Vorgespräch mit Diagnose und Therapie-Empfehlung. Die genaue Art der Operation sollte jeweils konkret für den Patienten noch mal ermittelt, besprochen werden.
Man reist in der Regel einen Tag vor der OP an, um die notwendigen Voruntersuchungen und Aufklärungsgespräche zu machen. Die OP selbst dauert nur 45 – 60 Minuten und das Gelenk ist unmittelbar danach belastbar (stehen mit Krücken, gehen mit Hilfe und/oder Krücken). Der Krankenhausaufenthalt dauert 5 – 10 Tage (je nach Heilungsverlauf) mit AHB (Anschluss-Heilbehandlung) also REHA von i.d.R. 3 Wochen (stationär oder ambulant).
Der individuelle Heilungsverlauf bzw. Wiederherstellung und Belastung ist sehr unterschiedlich. Manche verlassen das Krankenhaus schon nach wenigen Tagen im eigenen Auto (riskant wegen Gefahr von Luxation). Autofahren (aus versicherungsrechtlichen Gründen) sollte man erst nach vier, eher nach sechs Wochen.
Weiterhin gelten bestimmte Bewegungseinschränkungen, um eine Luxation zu vermeiden. Nach drei Monaten (erste Nachuntersuchung)  ist man weitgehend wieder hergestellt, nach sechs Monaten gut belastbar und nach 12 Monaten sollten alle OP-Folgen erledigt sein.

1 Kommentar

  1. Walter Walter
    13. November 2017    

    Hallo Wilfried,

    habe mit Interesse Deinen Artikel gelesen. Ich betreibe seit 37 Jahren Karate, der Verlauf mit der Hüftarthrose ist Deinem sehr ähnlich. Die Schmerzen kann ich mit Diclofenac noch gut kontrollieren, aber die Beweglichkeit hat stark abgenommen, so dass eine OP demnächst wohl unausweichlich ist.
    Da das bei Dir ja nun schon eine Weile her ist würde mich interessieren, wie es Dir heute geht und ob Du nach Deinen Erfahrungen diese Methode immer noch empfehlen würdest. Mich irritieren vor allem die Berichte wegen dem erhöhten Metallabrieb und der Gefahr von Hüftkopfnekrose.

    Ich würde mich freuen, wenn Du mir eine kurze Rückmeldung zu folgenden Fragen geben könntest:

    – Hast Du Dein Blut auf erhöhte Kobalt- und Chromwerte untersuchen lassen?
    – Wo hast Du Dich operieren lassen und wie hast Du die Klinik gefunden (Empfehlung, eigene Recherche)?

    Beste Grüße,
    Walter

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